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Landkreise im Ranking

Peer Giesecke

Regelmäßig werden im Auftrag von „Focus Money“ die Landkreise der Bundesrepublik im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Entwicklung verglichen.

Bereits das zweite Mal in Folge steht dabei der Landkreis Teltow-Fläming an der Spitze, im Sommer 2004 war der Landkreis gar Sieger.

Bewertet werden gleichrangig Bevölkerungswachstum, verfügbares Einkommen, Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, Bruttowertschöpfung, Investitionen im verarbeitenden Gewerbe, Veränderungen der Erwerbstätigenzahl und Arbeitslosenquote. Die Erhebung der Daten wird von den jeweiligen statistischen Landesämtern vorgenommen.

Im Dezember 2004 ergab sich für Teltow-Fläming der Platz 223 von 425, das bedeutet in den neuen Bundesländern Platz 3 hinter Dresden (Stadt) und Oberhavel.

Mit Peer Giesecke steht dem Landkreis Teltow-Fläming seit 1990 ein Landrat vor, der über langjährige Erfahrungen im Bereich der Wirtschaftsförderung verfügt. TeltowFlämingPost sprach mit ihm über die Ergebnisse und Ziele seiner Arbeit.

- oder wie ein Landkreis Karriere macht -

Herr Giesecke, der Landkreis steht wiederholt auf vorderen Plätzen im bundesweiten Ranking. Wie schafft man das im strukturschwachen Brandenburg?

Wir haben uns hier von Anfang an zielgruppenorientiertes Arbeiten angewöhnt und ein Dienstleistungsbewusstsein entwickelt. Wir betrachten die Betreuung von Investoren als erste Amtspflicht und nehmen ihnen Probleme ab. Eine Baugenehmigung, durch die Arbeitsplätze entstehen, ist bei uns in maximal 12 Wochen erteilt, was durchaus nicht bundesdeutscher Standard ist, aber schon zu konkreten Standortentscheidungen geführt hat. Rolls Royce zum Beispiel hat sich auch aus diesem Grund in Dahlewitz angesiedelt. Auch unsere Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen und Bildungsträgern zur zielgerichteten Qualifizierung von Fachkräften verstehen wir als notwendigen Service der Verwaltung für die Industrie.

Der Landkreis ist aber kein wirtschaftlich homogenes Gebilde, muss man da nicht Unterschiede berücksichtigen?

Genau diese Unterschiede wollten wir verringern, indem wir mit dem Ausbau der B 101 den strukturschwachen Raum dem Speckgürtel effektiv näher bringen. Die Fahrzeit von Süd nach Nord wird nur noch ein Drittel von der betragen, die man noch vor wenigen Jahren brauchte und die Erreichbarkeit von Arbeit ist erheblich verbessert. Und im Norden entstehen durch Neuansiedlung bereits wieder Arbeitsplätze. Dazu kommt, dass der Landkreis selbst als Investor in Erscheinung getreten ist, zum Beispiel beim Aufbau des Biotechnologiezentrums in Luckenwalde, dem Ausbau des Flugplatzes Schönhagen mit den dort entstandenen Unternehmensansiedlungen. Auch das Holzkompetenzzentrum Baruth mit inzwischen 1.000 Arbeitsplätzen profitiert von vom Landkreis geschaffener Infrastruktur.





Umgekehrt wird durch die neue B 101 der landschaftlich reizvolle Süden unseres Landkreises viel besser zu erreichen sein, Berliner und Potsdamer werden es uns mit steigenden Übernachtungen beweisen. Dazu trägt jetzt schon die Flaeming-Skate® bei, mit der wir attraktive Möglichkeiten für ein neues und naturverbundenes Freizeitverhalten geschaffen haben.

Also heile Welt in Teltow-Fläming?

Nein, davon sind wir trotz allen Rankings weit entfernt. Wenn ich die Arbeitslosenzahlen sehe, sind sie eigentlich nur erschreckend; da ist nichts befriedigend. Gerade deshalb ist es ja so wichtig, umzudenken. Tradition spielt sich nur noch in den Köpfen ab, nicht mehr in der Realität. Es war eben eine gute Entscheidung, in Luckenwalde Hochtechnologie anzusiedeln, die die hier traditionell ansässige Textilindustrie abgelöst hat.

Aber auch hier wandern viele Jugendliche ab, um der Arbeit nachzuziehen.

Dass Jugend wegzieht, ist erstmal nichts grundsätzlich Schlechtes. Die jungen Leute sammeln Erfahrungen und bringen Ideen mit nach Hause. Aber sie müssen eben wieder nach Hause kommen. Und auch dafür haben wir mit der Hochtechnologie einen Trumpf in der Hand. Bei Rolls Royce, bei DaimlerChrysler, bei der MTU und selbst in Baruth gibt es attraktive und hochmoderne Arbeitsplätze mit Zukunft.

Profitiert der Landkreis von seiner guten Platzierung im Ranking?

Ja, aber nur mittelbar. Es ist vor allem ein Marketingvorteil, der uns bundesweit bekannter macht, als ein mittelmäßiges Abschneiden. Die Entscheidung manches Investors wird auch davon positiv beeinflusst.

Wie weiter in der Zukunft?

Das Radwegekonzept, das Berlin und Potsdam mit der Flaeming-Skate® verbindet, muss umgesetzt werden und der Norden des Landkreises muss zu einem attraktiven Wohnstandort ausgebaut werden; mit Großstadtnähe und mitten im Grünen. Damit, so hoffen wir, können wir den Einwohnerschwund im Süden kompensieren.

Wir bedanken uns für das Gespräch.





Interview Christine Dunkel, Thomas Görner